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Paradigmenwirtschaft

[ 2011-07 ] Fluchtmotiv
[ 2011-09 ] Kümmermotiv
[ 2012-09 ] Heimatmotiv
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Seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet, werden in Liedern Nachrichten über die schaurig grausigsten Ereignisse der Zeit von Ort zu Ort getragen. Auf Schautafeln illustriert war diese Form der "Tagesschau" eine Instanz.

Sie müssen nun nicht befürchten, dass wir zu singen beginnen. Vielmehr gefällt uns die nomadische Lebensart. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Mann mit der Kamera Dsiga Wertow (Dziga Vertov) [1], der zudem in einem an "Agitzüge" angehängten Kinowaggon durch Russland fuhr, um als eine Art VJ die gefilmten Alltagsgeschichten durchs riesige Reich zu transportieren und so den unterschiedlichen Ethnien die unbekannten Lebensweisen der je anderen nahe zu bringen. Im Zeitalter von Facebook & Co scheint dies überflüssig - und nun gerade doch: Wir lieben Begegnungen aus Fleisch und Blut ...

[1] Biografie von Dsiga Wertow (PDF) auf rosalux.de

Es ist zum großen Teil Wertows reflexives Konzept, die permanente Darstellung der Aufnahme- und Abspielsituation und der filmischen Konstruktion, die ihn seiner Zeit voraus erscheinen lassen.

  ... Kolporteure

Porter à col, "am Hals tragen", von Haus zu Haus, gedruckte Blätter jeglicher Couleur, vom biblischen Bekehrungszettelchen über Nachrichten und Trivialliteratur bis hin zum Sammelbogen für ein Brockhaus'sches oder Meyer'sches Lexikon. Die Kolporteure hatten seit Mitte des 15. Jahrhunderts großen Anteil an der Alphabetisierung und an der Vermittlung des Zeitgeistes. Vorläufiger Schlußpunkt dieser Entwicklung ist der heiß umkämpfte Zeitschriftenmarkt.

Auch in der Kunst kann man mit der "Eventisierung" einerseits, und den andererseits mehr und mehr auf performative Vortragsformen ausgerichteten Produktionen die Tendenz bemerken, dass - nachdem die künstlerischen Mittel (anything goes) als durchgesetzt gelten und Tabubrüche nur noch regional Aufreger sind - der Nachrichten- und Netzwerkaspekt wieder in den Vordergrund rückt. Akademisch gesprochen darf man annehmen, dass solcherart verfertigte "Kunstwerke" nun vergleichende Kulturwissenschaft praktisch betreiben. Wir schließen uns dieser Auffassung gerne und tatkräftig an, und freuen uns auf neue Impressionen ...

 



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