** zur Übersicht


Paradigmenwirtschaft

[ 2011-07 ] Fluchtmotiv
[ 2011-09 ] Kümmermotiv
[ 2012-09 ] Heimatmotiv
  [ zurück ] Figur und Grund

Das Figur- / Grundproblem ist für die Wahrnehmung von existentieller Bedeutung: Jeder kennt es, wenige können es beim Namen nennen. Als Kind kennen wir die Tante, immer vor der häuslichen Tapete, auf der Straße erkennen wir sie nicht wieder. Wir sind noch nicht in der Lage, Figur und Grund voneinander zu trennen. Dass die Tante vielleicht beleidigt ist, scheint das geringste Problem.

Figur und Grund voneinander trennen zu können, wird mit erhöhtem Bilder- und Kommunikationsaufkommen immer wichtiger. Ein Bild kann - je nachdem, vor welchem inhaltlichen Hintergrund es platziert wird (oder selbst als Hintergrund für unterschiedliche "Figuren" verwendet wird) - völlig verschiedene bis entgegengesetzte Bedeutungen annehmen. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für Texte, Töne, Gerüche. Damit hat sich jede kulturelle Handlung auseinander zu setzen, denn jedes Bild, jeder Text, jeder Ton ist assimilierbar oder kann umgekehrt dazu benutzt werden, anderes zu assimilieren, und selten geschieht dies so ausdrücklich, wie in der klassischen Produktwerbung. Das unauffällige Platzieren von Inhalten in fremden Communities (also vor dem Hintergrund Dritter) - Virales Marketing genannt - zeigt die grundlegende Bedeutung des Figur- / Grundproblems für jegliches Zusammenleben.

 

Mit unserer Tätigkeit im Begriffsfeld von Create and Forget wechseln wir beständig den Hintergrund. Wir behaupten unsere Objekte und Aktionen nicht als "Kunst", denn dies würde eine Einschränkung auf die dort üblichen Terminologien, den jeweiligen "Tunnelblick" bedeuten. Nichts desto trotz schaffen wir uns eben damit auch wieder einen Tunnel. Bestenfalls gelingt es uns damit, ungeklärten oder ungeliebten Sachverhalten auszuweichen, sie zu untergraben, um mehr Handlungsspielraum zu erlangen. Manchmal ist es von Vorteil, gar keinen Hintergrund zu nutzen - in der Fotografie nennt man das einen "Freisteller". Auf diesen Internetseiten legen wir allgemein bekannte Funktionszeichen (wie das Symbol für die "Alt"-Taste des Komputers) als "Tapete" unter unsere Texte und Bilder. Wer die Zeichen kennt, wird Bedeutung finden. Für alle anderen handelt es sich um Dekoration.

Verlieren Bilder im Allgemeinen wie auch "Kunstwerke" im Besonderen den Hintergrund, auf dem sie entstehen, gezeigt werden, diskutiert werden, werden sie zu "weißem Rauschen". "Geheime Lust am Ikonoklasmus", der Bilderstürmerei, titelt die Kunstzeitung im Juli 2011. Durch die Vielfalt der mutmaßlich angenommenen Hintergründe verstricken sich die Diskurse um Kunst und Kultur zunehmend in eine Patt-Sitaution, die sich am besten als Babylonische Verwirrung umschreiben läßt.

 



Impressum | Info