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CaF Info

Paradigmenwirtschaft

[ 2011-07 ] Fluchtmotiv
[ 2011-09 ] Kümmermotiv
[ 2012-09 ] Heimatmotiv
  [ zurück ] Heimatmotiv

Bereits Anfang Juli 2012 schauen wir im Traditionsstadtteil Ruhrort vorbei, um uns ein Bild zu machen. Das Lokal Harmonie, 2010 Spielort der Kulturhauptstadt, soll eine feste Institution werden. Für September wollen wir aus dem Kontrast zwischen Hamburg-Altona (das vor 25 Jahren ein ähnliches "NoGo"-Image hatte wie Ruhrort heute) und den Anstrengungen, den nördlichen Stadtteil Duisburgs aufzuwerten, ein Programm entwickeln, das die zu erwartenden Planungen der Politik auf eine kommunikable Ebene herunterbricht:

Am Anfang steht ein kleines Video, verbildlichte Überlegung und Grußbotschaft in einem, 12-minütiger Ausblick von Hafenstadt zu Hafenstadt (Duisburg hat noch immer den größten Binnenhafen Europas).

1987 wurde in HH-Altona die erste, längerfristig betriebene "Alternativ-Kneipe", das Ins Beth eingerichtet (geschlossen 2012). Die Probleme mit der Schanklizenz, dem Lautstärkepegel, der Vorplatznutzung waren die selben, wie heute im Lokal Harmonie. Wir wollten unseren eigenen Kiez, Heimat finden, eine Existenz entwickeln, gegen die Langeweile vor der Haustüre. "Gentrifizierung" und "Floridarisierung" waren hierzulande Fremdworte bzw. noch gar nicht existent. In der Kneipe konnte noch schwarz gearbeitet werden, das verdiente Geld ermöglichte tagsdrauf die kleinen Wünsche. Beim Gang durch die Straßen trafen sich diejenigen, die die Straße nutzten, an jeder Ecke und alle schmiedeten Pläne.



Rundgang



Wer im Bürgerverein St. Pauli aktiv ist, der hat zumindest schon einmal - anläßlich eines Spiels gegen die Zebras vom MSV - einen Wimpeltausch mit dem Ruhrorter Bürgerverein vorgenommen. Für alle, die noch nie in Ruhrort waren, hier ein kleiner Rundgang, der nur aus geschönteren Perspektiven im offiziellen Reiseführer verzeichnet ist ...

Startbild am Zentraleingang von Haniel, weiter zum Neumarkt mit "Schimi" und im Karrée vorbei am Lokal "Freihafen". Beim Museumshafen dann für alle, die den Sonnenuntergang hinterm Rheinorange verpassen, in großen Tafeln das, was man auch so sieht ... zum Bier beim Hübi an der Oscar Huber ist die Sicht aber noch frei, obgleich gegenüber auf der investorensanierten Mercatorinsel schon die Bebauungshöhe aufgeschüttet ist ...

  [* 2012-09-02 bis 2012-09-08 DU-Ruhrort ]

Die Situation in DU-Ruhrort heute mutet wie eine Zeitreise an. In Altona sind wir längst in der Anonymität verschwunden, wenn wir nicht die "üblichen" Orte aufsuchen. Die Straßen im Kernteil Ottensen sind mit Cafés gepflastert, der Gang zum Bäcker oder Tabakhändler wird zur Slalomstrecke. Ein Gang durch Ruhrort schafft schon nach einem Tag Bekanntschaften, die vornehmlich älteren Menschen, die hier zwischen den Leerständen noch wohnen, grüßen oder haben zumindest ein Fragezeichen auf der Stirn, wenn sie "Fremde" sehen.

Diesmal verpassen wir die Chance nicht, die Einwohner_innen einzubeziehen, nicht wie damals in Altona, als die Alteingesessenen uns eher Lebensverhinderer waren, die uns Knüppel zwischen die Beine warfen. Allerdings haben nicht nur wir unsere Rolle als Vorreiter der Gentrifizierung gelernt, sondern auch die Bewohner_innen in Ruhrort sind für diese Mechanismen sensibilisiert (der Innenhafen Duisburg und die "Marketing-Katastrophe" LoveParade dienen beispielhaft). Wir können uns einen gewissen Sarkasmus leisten, der auch verstanden wird. Selbst die Strickguerilla hat termingleich das Viertel "heimgesucht". Das Café Kaldi inszeniert Schimi-Touren – Schimanski als Identifikationsfigur, der Tourismus zu den Drehorten läuft. Am Neumarkt ein Kiosk derselben Betreiberinnen: Nur ein Café und morgen trifft man die selben Leute, wem man gestern noch nicht Juten Tach gesagt hat, den grüßt man schon heute. Aber der Rheinländer hört ja ohnehin immer mit einem Ohr bei den anderen mit, um sich ggfs. einzumischen – das ist hier Kommunikationsgrundlage.




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